###TOPNAV###
484 Treffer:
Stadtführung  
Buchung / Anfrage  
Stadtführungen Berlin  
Stadtführungen in Berlin  
Beitrag  
Logo zur Startseite sprungmarke  
unSICHTBAR – die ehemalige Willner-Brauerei in Pankow  
Dort, wo stadtauswärts die Schönhauser Allee in die Berliner Straße übergeht, steht am Eschengraben ein verwinkelter, aus gelben und die Fassade rötlich strukturierenden Ziegeln errichteter Komplex, der – mittlerweile saniert und mit einigen Neubauten ergänzt – bis 1990 als Brauerei produktionsreiche Tage erlebte. Emil Willner erwarb 1880 an der Berliner Straße 80-82 das Grundstück mit dem ehemaligen Zollhaus, darin er einen Bierausschank mit Biergarten einrichtete.  
unSICHTBAR – das Sowjetische Ehrenmal in Niederschönhausen  
Die zwischen Mai 1947 und November 1949 gestaltete Anlage steht selten im Fokus der Öffentlichkeit. Jüngst gab es aber eine Ausnahme: der 80 Jahrestag des Überfalls der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Da kam höchster Besuch in den Volkspark Schönholzer Heide: der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedachte mit einer Kranzniederlegung der zahlreichen Opfer – Schätzungen zufolge starben durch den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 27 Millionen Menschen, darunter 14 Millionen Zivilpersonen.
Von russischer Seite wird hier übrigens mit großer Regelmäßigkeit gedacht, natürlich auch am 22. Juni 2021 mit eine festliche Gedenkzeremonie der Russischen Botschaft, vor allem aber am 9. Mai, dem „Tag der Befreiung“.
 
[StattReisen Berlin Tour] Totalitäre Visionen: Le Corbusier und Albert Speer  
Totalitäre Visionen: Le Corbusier und Albert Speer Informationen demnächst Eine Tour aus unserer Reihe Berlin 360°.  
[StattReisen Berlin Tour] Bankiers, Gelehrte, Friedensstifter  
Niederschönhausener Kaleidoskop  
[StattReisen Berlin Tour] Zum Nutzen und Vergnügen: Lernen mit Lenné in Dahlem  
Zum Nutzen und Vergnügen: Lernen mit Lenné in Dahlem Informationen demnächst Eine Tour aus unserer Reihe Berlin 360°.  
Prospekte anfordern  
Prospekt anfordern Wir schicken Ihnen gerne kostenlos unseren Flyer zu. Wenn Sie regelmäßig unsere Programminformationen erhalten wollen, nehmen wir Sie in unseren Verteiler auf.  

unSICHTBAR – Drei Schüsse am Ku’damm

Eine gewöhnliche Bushaltestelle am oberen Ende des Kurfürstendamms / Ecke Joachim-Friedrich-Straße. Der Verkehr tost, geschäftiges Treiben im Umfeld. Keine*r der auf den Bus Wartenden kennt die unscheinbare Gedenktafel, die fünf Meter neben ihnen in den Boden eingelassen ist. Sie befindet sich schon 31 Jahre dort. Die wenigsten der Passanten wissen, was dort vor 53 Jahren geschah.

 

Am 11. April 1968, einem Gründonnerstag, wartete Rudi Dutschke hier auf die Öffnung der Apotheke, um ein Medikament für seinen Sohn zu besorgen. Er wohnte in der Nähe und war auf dem Weg ins Büro des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, das um die Ecke lag. Da kam der Hilfsarbeiter Josef Bachmann auf ihn zu, zog seine Pistole und schoss dreimal auf den prominenten Wortführer der Studentenbewegung.


Bachmann war Neonazi und fühlte sich von der zum Teil diffamierenden Berichterstattung der Springerpresse und der aufgeheizten Stimmung in diesen Monaten angestachelt. Die Nachricht von dem Attentat ging wie ein Lauffeuer um. Noch am Abend zogen Demonstrierende vor das Verlagshaus von Springer, um die Auslieferung der Bildzeitung zu verhindern. Dabei kippten sie Lieferfahrzeuge um oder steckten sie in Brand. Es war der Auftakt zu den schwersten Straßenunruhen auch in anderen Städten, die die Bundesrepublik bis dahin erlebt hat.


Die Anliegen der Studentenbewegung, wie der Protest gegen den Vietnam-Krieg, gegen die Ordinarien-Universität, gegen Alt-Nazis in hohen Funktionen oder gegen die verkrusteten Strukturen in Politik und Gesellschaft, sowie ihr provokantes Auftreten stießen auf Widerstand der verharrenden Kräfte und des Establishments. Spätestens seit der Polizist Kurras ein Jahr zuvor Benno Ohnesorg in der Näher der Deutschen Oper erschossen hatte, wurde der gesellschaftliche Konflikt offensichtlich und die Forderung nach Veränderungen über das studentische Milieu hinaus immer lauter. Die Republik ist seitdem eine andere geworden, liberaler, demokratischer, offener.


Rudi Dutschke überlebte das Attentat, starb aber Heiligabend 1979 an den Spätfolgen der Schussverletzungen. So steht es auf der Gedenktafel. Hier, wo damals sein Fahrrad und seine Schuhe liegen blieben, nachdem er im Krankenwagen abtransportiert wurde, umrahmt von den Kreidekreisen der Polizei. Zum 50. Jahrestag wurde hier im Beisein von Gretchen Dutschke an das Attentat erinnert und Schuhe in Kreidekreisen um die Gedenktafel gestellt. Wer heute an der Bushaltestelle steht, kann auf der Informationstafel der Berliner Geschichtswerkstatt auf der Rückseite mehr erfahren. Unnachgiebig nachfragen, streiten, Autoritäten und Ungerechtigkeit in Frage stellen: Das können wir sicher auch heute noch von Rudi Dutschke lernen.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben