###TOPNAV###
571 Treffer:
Stadtführung  
Buchung / Anfrage  
Stadtführungen Berlin  
Stadtführungen in Berlin  
Andere Städte  
Die StattReisen-Organisationen der verschiedenen Städte arbeiten im Forum Neue Städtetouren zusammen, z.B. um die Qualität zu sichern.  
[StattReisen Berlin Tour] Armut, Flucht, Vertreibung  
Siedlungsexperimente in Mariendorf  
[StattReisen Berlin Tour] Stille Heldinnen  
Frauen im Widerstand  
[StattReisen Berlin Tour] Ingeborg Bachmanns Berliner Jahre  
Ingeborg Bachmanns Berliner Jahre Zu ihrem 100. Geburtstag Berlin war nicht die längste Episode im Leben der österreichischen Lyrikerin und Schriftstellerin, die an vielen Orten Europas lebte und arbeitete. Und sicher war es auch nicht die bedeutendste Lebensphase. Aber auch kein unwichtiger Abschnitt nach der schwierigen Beziehung zu Max Frisch und des Nicht-Schreiben-Könnens. Vor allem jedoch eine weitere Phase des Suchens und sich Wiederfindens am "Ort für Zufälle", wie sie Berlin in ihrer Rede zum Büchner-Preis nannte. Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Wir schauen auf diesem Rundgang auf ihre Berliner Jahre von 1963 bis 1965 im Grunewald.  
[StattReisen Berlin Tour] Die Ring-Architekten  
Pioniere des neuen Bauens  
[StattReisen Berlin Tour] Südseeträume: Die Pfaueninsel  
Südseeträume: Die Pfaueninsel NEU! Einst vom Großen Kurfürsten an Alchemisten Johannes Kunckel im 17. Jahrhundert für dessen geheimnisvollen Experimente verschenkt, wurde die Pfaueninsel 100 Jahre später geheimer Treffpunkt für die ungewöhnliche Liebesbeziehung zwischen dem zukünftigen Thronnachfolger Friedrich des Großen, Kronprinz Friedrich Wilhelm und dessen bürgerliche Geliebte, Wilhelmine Enke aus Potsdam. Das ungleiche Paar ließ nach englischen und französischen Vorbildern das Lustschlösschen und die Meierei im pittoresken Ruinenstil errichten, hinzu kamen Reminiszenzen an das antike Rom. Die landwirtschaftliche Prägung erhielt das Eiland schließlich unter Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III. Zur Exotik der noch heute farbenfrohen Bepflanzung passte die Ansiedlung von Pfauen und anderer Tiere aus fernen Ländern. Landschaftsgarten und Pfauen sind noch heute Teil dieses besonderen UNESCO-Welterbes.  Hinweis: Tickets für die Fähre müssen individuell vorab online gebucht werden (empfohlen) oder vor Ort erworben werden. Im Anschluss besteht am Nachmittag die Möglichkeit zum individuellen Besuch des Schlosses (hierfür müssen vorab Eintrittskarten erworben, das Fährticket ist dann schon inkludiert). Der Termin am 13. Juni ist leider bereits ausgebucht. Aber es gibt gleich einen Zusatztermin am Tag darauf um 14 Uhr!  
[StattReisen Berlin Tour] Berlin verkehrsberuhigt!  
Berlin verkehrsberuhigt! Wer mit StattReisen unterwegs ist, bewegt sich in der Stadt umwelt- und sozialverträglich: zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die "Verkehrswende" ist für uns Programm, und zwar schon seit unserer Gründung 1983.Deshalb engagieren wir uns jetzt auch für das Berliner Volksbegehren zur Verkehrsberuhigung.   Diese Initiative will in einem Volksentscheid durchsetzen, dass der Bereich innerhalb des S-Bahnrings stark autoverkehrsreduziert wird. Dafür hat sie einen Gesetzentwurf vorbereitet, der bei der Abgeordnetenhauswahl im September 2026 zur Abstimmung gebracht werden soll. Zweck dieses Gesetzes ist es, eine flächengerechte, gesunde, sichere, lebenswerte sowie klima- und umweltfreundliche Nutzung der öffentlichen Straßen in Berlin zu ermöglichen. Damit es soweit kommen kann, sind bis Anfang Mai mindestens 170 000 Unterschriften von Berliner:innen ab 16 Jahren notwendig, die das Anliegen teilen.Wenn Sie auch dazu gehören, bitten wir Sie um Ihre Unterschrift! Sie können die Liste von der website herunterladen. Dort finden Sie auch weitere Informationen und den Text des Gesetzentwurfs.  

unSICHTBAR – Das Stalag III D in Lichterfelde Süd

An einem Sonntag gegen Ende des Frühlings verirre ich mich nach Lichterfelde Süd und entdecke inmitten einer verwunschenen Brache die Spuren des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag III D.

 

An einem der wenigen beständigen Sonnentage des Monats Mai schwinge ich mich auf mein etwas mitgenommenes Fahrrad (der Regen der letzten Wochen hat der Fahrradkette übel mitgespielt …) und mache mich auf den Weg in ein mir völlig unbekanntes Randgebiet Berlins.
Lichterfelde gehört zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die Bebauung des Stadtteils ist eklektizistisch und lanciert zwischen altehrwürdiger Villenkolonie und den aufragenden Plattenbauten der Thermometersiedlung in Lichterfelde Süd. Wie an so manchen Orten der Hauptstadt prallen hier auf engem Raum diverse soziale Wirklichkeiten aufeinander, die sich zu einer spannenden, aber schwierig zu fassenden, Melange verbinden.
Eine der größten Herausforderungen Berlins ist zweifelsohne die zunehmende Verschärfung der Wohnungssituation und die damit verbundene Perspektivlosigkeit für Menschen mit geringen Einkommen. Während politische Instrumente bislang keinen Effekt zeigten, versucht nun eine selbstorganisierte Initiative große Wohnungsunternehmen zu enteignen. Das Thema ist derzeit omnipräsent in den sozialen Medien, auf den Straßen der Stadt und in den Kolumnen der regionalen und überregionalen Blätter. Während alle einhellig feststellen, dass die Mietsituation unerträglich ist, wird die Diskussion um die richtigen Konzepte, mit denen dem Problem zu begegnen ist, leidenschaftlich geführt. Klar ist, in Berlin muss mehr gebaut werden, die Bestandswohnungen reichen bei weitem nicht aus.
In Lichterfelde Süd wird gebaut. Die Groth Gruppe plant seit einiger Zeit Wohnraum auf einer Brache vis à vis des S-Bahnhofs. – Nachverdichtung des Berliner Stadtraums ist hierbei das Stichwort – Wohnraum an den Rändern der Stadt ein anderes.
Unweit der Thermometersiedlung entsteht so ein neuer Wohnkomplex. Ihn zeichnet ein spezifischer Aspekt aus: er ist bedürfnisgerecht. Er orientiert sich nämlich unmittelbar an den unternehmerischen Bedürfnissen der Groth Gruppe: Rendite durch Einfamilienhäuser und hochpreisige Apartments. Damit reiht sich dieses Bauvorhaben in eine lange Liste von Projekten ein, die in den letzten Jahren Berlins Stadtentwicklung prägten. An dieser Stelle sei beispielhaft an den Komplex in der Oranienburger Straße (am ehem. Tacheles) und an die Europacity erinnert.
Das Lichterfelder-Projekt ist aus vielerlei Hinsicht kritikwürdig, es versiegelt die Fläche und nimmt eine weitere Möglichkeit, um sozialen Wohnraum in größerem Maßstab zu realisieren, es geht an der sozialen Wirklichkeit des Stadtteils vorbei und zementiert bestehende Ungerechtigkeiten.
An Absurdität und Zynismus jedoch kaum zu übertreffen ist die Ortswahl. Bei meiner Fahrradtour entdecke ich einige verwitterte Baracken aus rotem Ziegelstein, unscheinbar stehen sie in der Märkischen Brache und verschweigen ihre menschenverachtende Bestimmung. Sie sind die Relikte eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, dem Stalag III D.


Bei dem Gelände in Lichterfelde Süd handelte es sich um ein Verwahrlager für vornehmlich französische Internierte und zugleich um eine bedeutende Stätte für die Gesamtorganisation des Gefangenenwesens in Berlin. Das Barackenlager wurde Anfang der 1940er Jahre auf dem Reichsbahngelände errichtet und durch die Wehrmacht organisiert. Heute noch erhalten sind die Steinbaracken, welche Versorgungsfunktionen erfüllten und zur Beherbergung der Landesschützenbataillone, die das Lager bewachten, dienten.
Das Kriegsgefangenenwesen prägte in den 1940er Jahren das Berliner Stadtbild, zahlreiche dezentrale Barackenlager befanden sich im Stadtraum, Sonderzüge brachten die Internierten zu ihren Einsatzorten und in vielen Privathaushalten wurden Gefangene beschäftigt. Während auf die französischen Menschen die Genfer Konvention Anwendung fand, waren die sowjetischen Gefangenen schutzlos gewalttätigen Übergriffen, übermäßig harten Tätigkeiten und drakonischen Strafen ausgeliefert.
Dem Stalag III D als einzigem zentralen Arbeitslager in einer deutschen Großstadt fällt eine wichtige Erinnerungsfunktion zu, vor allem da es, ähnlich der Gesamtthematik, in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwand.


Es ist lediglich der Arbeit engagierter Bürger:inneninitiativen zu verdanken, dass überhaupt eine erinnerungspolitische Aufarbeitung des ehemaligen Gefangenenlagers etabliert wird. Neben einer Ausstellung sollen zukünftig Führungen angeboten werden, in einem zentralen Bereich der Siedlung wird es ein Modell des Lagers geben. Der Denkmalschutz stellte inzwischen zwei Baracken und ein Wachturmfundament unter Schutz und verhinderte so den geplanten Abriss aller Strukturen durch die Groth Gruppe. Klar ist jedoch, das Gelände wird durch die neue Wohnarchitektur überformt und stumpft ab.
Hier, am Rande Lichterfelde Süds, konkurrieren die politische Staatsräson, an die Verbrechen der Nationalsozialist:innen in angemessener Form mahnend zu erinnern, mit dem Grundrecht auf Wohnen. Es wäre ein versöhnlicher Kompromiss, wenn sozialer Wohnungsbau und die Relikte des Stalag III D in Koexistenz miteinander verwoben würden. Stattdessen jedoch rückt die Planung den ökonomischen Vorteil einzelner Akteur:innen in den Mittelpunkt. Nach Informationen der taz werden deutlich unter 20% der entstehenden Wohnungen und Reihenhäuser nach Maßstäben des sozialen Wohnens bepreist.
In Lichterfelde Süd entfernt sich Berlin so ein weiteres schmerzhaftes Stück von der Maxime einer offenen Stadt. Dank gebührt an dieser Stelle all jenen, die unermüdlich für den Erhalt der historischen Quellen und für ein soziales Berlin kämpf(t)en!

Kommentare (4)

  1. Rémy am 12.03.2022
    My Grandfather, franch soldier, was captured in World War II in 1940. He and so many others, were sent to STALAG III D where he stayed to the end in april 1945.
    I don't know much of his war past. I don't even know where he could have worked around the camp.
    I have found your webpage but sorry, I don't speak German.
    Do you think it could be possible to get a French translation of it ?
    Thank you very much in advance.
    Regards.
    Rémy from France.
  2. MARA MORNATA am 09.05.2023
    Impressionante la tua descrizione politico sociale ed ambientale, sono rimasta molto colpita. Mio nonno era uno dei tanti italiani internati in quel campo, ed andava a lavorare tutti i giorni alla Telefunken. Credo che una rivalutazione del territorio e la realizzazione di un museo dello STALAG III D sia una grande opportunità, per la riqualificazione della zona, con passaggi di visitatori da tutto il mondo (ne sono esempi tutti i campi distribuiti sul vostro terriitorio e non solo).
    Grazie per la tua descrizione e per le poche foto che comunque emozionano.
    Mara
  3. Urbini am 21.11.2023
    Grazie per questo bellissimo articolo, da tempo cercavo informazioni sullo Stalag III D, il sito ha un'importante funzione commemorativa, che deve rimanere nella memoria per il futuro. sono passati 80 anni dalla deportazione di mio nonno avvenuta il 16/09/1943 è stato un Internato Militare Italiano (IMI), è morto per bombardamento il 18/04/1945 a soli 32 anni, lasciando mia nonna vedova e mio padre orfano. Una ferita mai rimarginata. Sto ancora cercando una tomba sul cui posare un fiore, secondo una testimonianza è stato sepolto lì con una bottiglia contenente le sue generalità. Eventuali lavori di scavo potrebbero far riemergere i corpi. Auspico che possa avere il riguardo che non ha avuto negli anni di prigionia.
    Codialmente.
    Loredana

    Vielen Dank für diesen schönen Artikel, ich habe schon lange nach Informationen über Stalag III D gesucht, die Stätte hat eine wichtige Gedenkfunktion, die mir auch in Zukunft im Gedächtnis bleiben wird. 80 Jahre sind seit der Deportation meines Großvaters am 16.09.1943 vergangen, er war ein italienischer Militärpraktikant (IMI), er starb am 18.04.1945 im Alter von nur 32 Jahren bei einem Bombenangriff und hinterließ meine Großmutter als Witwe Mein Vater ist Waise. Eine Wunde, die nie heilte. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Grab, auf das ich eine Blume legen kann. Laut Zeugenaussage wurde sie dort mit einer Flasche mit ihren persönlichen Daten begraben. Bei Bedarf könnten die Leichen durch Waschen der Ausgrabung ans Licht gebracht werden. Ich hoffe, dass er die Möglichkeit hat, respektiert zu werden, was er in den Jahren der Gefangenschaft nicht brauchte.
    Aufrichtig
    Loredana
  4. Tiziana am 07.02.2025
    Uno zio materno fu deportato e rinchiuso in questo campo, prigioniero dopo l'armistizio del 1943. Come tanti altri IMI soffrì fame, freddo, maltrattamenti, e fu costretto al lavoro coatto. Purtroppo non ha mai fatto ritorno e di lui non si è più saputo nulla dal 20 aprile 1945; probabilmente morì sotto i bombardamenti dei russi che avanzavano verso Berlino. Di lui è rimasto un quadernetto, in cui raccontava la sua vita da internato. Per fortuna questo è arrivato alla famiglia, portato da un amico sopravvissuto. Questa triste storia mi accompagna fin da bambina.
    Tiziana

Neuen Kommentar schreiben