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[StattReisen Berlin Tour] Künstlerisch belebt – der Prenzlauer Berg  
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[StattReisen Berlin Tour] „Gezeichnete Stadt“: Subjektive Topografie – der Hermannplatz  
„Gezeichnete Stadt“: Subjektive Topografie – der Hermannplatz In der neuen Ausstellung der Berlinischen Galerie ist eine phantastische Vielfalt an Berlin­Bildern seit 1945 zu sehen. Wir sehen doppelt: Erst  besuchen wir die gezeichneten Orte im Hier und Heute und dann schauen wir uns an, wie die Künstler die Orte gesehen haben. Begeben Sie sich auf spannende Wahrnehmungsreisen, die Ihren eigenen Blick auf Berlin schärfen. Die zweistündigen Programme umfassen die Führung in der Stadt und zu den betreffenden Bildern in der Ausstellung sowie den Eintritt. Anschließend können Sie weiter in der Berlinischen Galerie verweilen. Ein Programm in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie: Gezeichnete Stadt. Arbeiten auf Papier 1945 bis heute (14.8.20-4.1.21)  
[StattReisen Berlin Tour] Friedrich Engels und seine Aktien am Kapital  
Friedrich Engels und seine Aktien am Kapital Infos in Bälde  

Ortsbesichtigung im menschenleeren Berlin

Eine Fotoreportage.

In zwei Etappen bin ich von Charlottenburg nach Friedrichshain gefahren. Ich habe mich im leeren Berlin umgesehen und bekannte Orte kaum wiedererkannt.

 

Ich gehe gerne ins Kino und noch viel lieber in kleinere Programmkinos. Leider mache ich das viel zu selten. Gerne beobachte ich das Publikum beim hinein- und hinausströmen in die kulturellen Orte, wie auch Theater, Oper oder Konzerthäuser. Ich mag es vermutlich besonders, weil ich selbst länger als Garderobiere in einem Konzerthaus gearbeitet habe. All dies nun geschlossen zu sehen, beunruhigt mich.
Am Kurfürstendamm gab es früher unzählige größere und kleinere Kinos. Das Cinema Paris eröffnete 1950 nachdem das Gebäude des Architekten Hans Semrau als „Maison de France“ am Kurfürstendamm fertiggestellt wurde. Auch heute befindet sich dort noch das Institut Français. Das Gebäude ist übrigens 1993 als 1000stes unter Denkmalschutz gestellt worden. Ich hoffe, dass wir schnell unsere Kinos wieder besuchen können, wenn auch mit zwei, drei Plätzen Abstand.
Damit unsere Ansteckung noch etwas herunter geht, kann man Schutzmasken in der Apotheke in der Seitenstraße kaufen.

Das berühmte Café Kranzler habe ich nicht mehr kennengelernt. Aber der Wiener Konditor Johann Georg Kranzler, der definitiv keine unproblematische historische Figur ist, hatte ein Gespür für den Zeitgeist. Er wurde Hoflieferant und bot in seinem Café an der Straße Unter den Linden mit der „Rampe“ einen Außenbereich zum Sehen und Gesehen werden an. Dieses Konzept wurde auch 1932 bei der gut 100 Jahre später eröffneten Filiale an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße umgesetzt. Immer war an dieser Ecke viel Verkehr. Davon zeugt auch genau gegenüber die Verkehrskanzel aus den 1950er Jahren. Aber im Moment kann man manch eine Ampelschaltung mit keinem einzigen Auto beobachten. Ein Zustand, den ich niemals für möglich gehalten hätte.



Der Blick vom Wittenbergplatz Richtung Gedächtniskirche, die Tauentzienstraße hinunter, ist immer imposant. Doch wenn man es in diesen Tagen macht, staunt man doch. Alle Geschäfte geschlossen. Kaum Flaneur*innen. Keine Tourist*innen schlendern vorüber. Was soll man hier auch? Die Schaufenster besichtigen? Teils sind sie sogar leer. Auch Taxis sind nicht zu sehen. Die Busse fahren selten.
Ein eigenartiger Anblick, diese schönen Beete, bei blauem Himmel, guter Luft und ohne Verkehrslärm.



Zugegeben, im Moment ist der Wittenbergplatz eh nicht sonderlich attraktiv. Die Renovierungsarbeiten an der U-Bahnstation lassen den Platz ziemlich eigenartig wirken. 1913 wurde diese Station heftig diskutiert, weil sie die Straßen quasi zu Einbahnstraßen degradiert und die Sichtachsen zerstört. Jetzt mit Planen und Gerüst, kann man das sehr gut nachvollziehen.
Dem Kaufhaus des Westens wäre dies aber in normalen Zeiten, gelinde gesagt, vollkommen egal. Seit 1907 öffnet es seine Pforten am Wittenbergplatz für Konsumwillige. Es macht Spaß durch das Gebäude zu schlendern, vorbei an den vielen Waren und Luxusartikeln. Gekauft habe ich aber so gut wie nie etwas. Doch einmal war ich gezielt dort für ein Geschenk. Da ich wusste, dass die zu beschenkende Person eine ganz bestimmte Marke für Handtücher aus Deutschland sehr schätzt. Die waren im KaDeWe zu bekommen. Jetzt sind die Tore verschlossen, doch so hat man die Möglichkeit sich das originale Tor von 1907 genauer anzusehen.



Gerüchteweise haben die Tiere des 175 Jahre alten Berliner Zoos in den ersten Tagen unserer Kontaktreduzierung noch etwas nervös auf die ausbleibenden Besucher*innen reagiert. Das hat sich wohl gelegt. Kann den Tieren auch ziemlich schnurz sein, ob wir sie hinter einem Zaun oder Glas anschauen. Von Zuhause kann man die Tiere in Videos dennoch bestaunen. Die Panda Babys haben auch einen eigenen Blog, da bleibt man auf dem Laufenden. Eigentlich bin ich aktuell schon ziemlich entschleunigt, aber die Pandas beim Schlafen zu beobachten, ist eine neue Dimension. Es gibt übrigens die Vermutung, dass in der kommenden Saison mehr Tierbabys herumspazieren werden – ob wir da nicht doch die Tiere etwas vermenschlichen?
Vor dem Elefantentor, das um 1900 entstand, ist es irritierend still, wenn keine Schulklassen, keine Familien, keine Tourist*innen, eigentlich gar keine Menschen zu sehen sind. Auch die Leihfahrräder stehen alle an ihrem Platz. Aber der Geruch von Tieren ist da, wenn die Windrichtung stimmt.



Kottbusser Damm und Straße vom Hermannplatz zum Kotti zu laufen, ist meist eher eine Slalomroute. Hier Tische und Stühle vor Cafés, Restaurants, Imbissen und Spätis, Grüppchen, Kinder und Feierwütige.
Ich hätte nicht erwartet, dass ich diese Straße einmal als einsam wahrnehmen könnte. Immer noch ist hier etwas mehr Leben, als vielleicht anderswo in der Stadt. Aber hier, zwischen Neukölln und Kreuzberg, spürte ich das Fehlen anderer Menschen geradezu körperlich. Schon am Hermannplatz war es fast leise und dann wurde die Strecke zum Kotti zu einem Weg, der mir noch deutlicher machte, was auf dem Spiel steht: die Menschen, alles was hier gerade fehlt, egal, ob ich sie kenne oder nicht.



Am Kottbusser Tor starten wir normalerweise die Weltstadt-Kreuzberg-Tour. Oft habe ich sie mit Schulklassen durchgeführt. Nicht alle Teilnehmer*innen können sich für den Ort erwärmen. Wenn wir nach zweidritteln der Tour wieder an den Kotti zurückkehren, verstehen sie aber, was der Reiz sein kann, wenn große Teile des Stadtlebens auf den Straßen, im öffentlichen Raum stattfinden. Genau das ist weg.
Hier an diesem eigenwilligen abriegelnden Bau aus den 1970er Jahren ist sonst immer etwas los. Viele Sprachen mischen sich und die Menschen essen und trinken auf Bänken. Ich sehe das erste Mal den vollständigen Schatten eines Baumes auf dieser Fläche!



So wie alle anderen Clubs und Veranstaltungsorte hat auch das berühmte SO36 geschlossen. Die Situation für die gesamte Event- und Kulturbranche ist bedrohlich. Vieles verlagert sich ins Digitale – Inhalte lassen sich produzieren. (Dieser Blog gehört schließlich auch dazu.) Doch wie kann man die finanziellen Engpässe ohne Publikum ausgleichen, wenn alles abgesagt ist? Wenn Veranstaltungen in den Dezember verschoben werden, holt das nicht den Verlust aus den Wochen des Stillstands rein.
Das SO36 ist nur ein Beispiel für viele Orte, Events, Ausstellungen, Messen, Theater, Bars, kleine Läden und und und ... Wenn jeder an seinen Lieblingsladen denkt, dort etwas kauft, seine Tickets, wenn man es sich selbst leisten kann, verfallen lässt, statt das Geld einzufordern oder den Gutschein zu nehmen oder sogar etwas spendet, trägt man zumindest ein wenig dazu bei, die Chance auf Rettung der Institutionen zu erhöhen. Es wäre unglaublich schade um die Vielfalt, nicht nur hier in Berlin.



Auch dieser Ort hat mich schockiert. Die Warschauer Brücke ohne Verkehr! Ich kenne das nicht. Ich habe sie schon ziemlich oft zu unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten passiert, nie war sie so leer, schließlich steigen hier täglich Tausende um. Selbst zur Zeit der Berliner Mauer war mehr Verkehr, da Mühlenstraße und Stralauer Allee eine wichtige Ausfallstrecke darstellte. Damals war die Oberbaumbrücke am Ende der Warschauer Straße ein Grenzübergang zwischen dem in Ostberlin liegenden Friedrichshain und dem West-Berliner Kreuzberg auf der anderen Seite der Spree, führte also direkt an die Mauer.
Ich stehe erst auf der einen Seite der Brücke und dann auf der anderen Seite und beobachte quasi gar nichts. Nur wenige Menschen gehen vorüber, mal quert ein Auto die Brücke und eine einzige S-Bahn fährt darunter ein, das war‘s.



Der Friedrichshainer Szenekiez rund um den Boxhagener Platz steht still. Alle Bars, Kneipen und Restaurants sind zu, wie überall, aber hier ist jetzt alles anders. Es ist wirklich still und erinnert eher an die überraschend ruhigen Straßen des nebenanliegenden Kaskelkiezes und nicht an den spöttischen Beinamen als Ballermann von Berlin.
Hier unterhalten sich ein paar Nachbarn, natürlich im aktuell sehr höflichen Sicherheitsabstand. Ein älteres Paar geht vorbei. Gefühlt ist der Altersdurchschnitt ein völlig anderer als sonst. Alle Tische und Bänke sind verwaist. Auf dem Boxhagener Platz spielen Familien getrennt voneinander Ballspiele. Es sieht aus, als wäre ein unsichtbares Quadratraster unterlegt. Jede kleine Gruppe nimmt temporär ein Quadrat in Beschlag. Gerade sind alle Quadrate belegt – vielleicht komme ich später wieder … und hoffentlich bald auch die Gäste in den Kiez.

Sabrina Meissner – Rundgangsleiterin bei StattReisen Berlin

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