Praha/Prag und Brno/Brünn

Mit Exkursionen nach Zlín und Theresienstadt.Mit Themenschwerpunkten Literatur und „40 Jahre Prager Frühling“.

Zwei Metropolen zwischen Tradition und Aufbruch

Prag: Eine Stadt und ihr Mythos

Touristenmagnet und mit Abstand größte Stadt des Landes ist Prag zugleich politische und kulturelle Hauptstadt Böhmens und der Tschechischen Republik. Unter Karl IV. begann ihr glanzvoller Aufstieg als kaiserliche Residenzstadt. Ab dem 17. Jahrhundert aber wurde Prag Provinz. Das barocke jüdische Viertel der verfallenen Provinzstadt inspirierte die Literaten des Fin de siècle wie Rilke, Apollinaire oder auch Gustav Meyerink. Die seit der Jahrtausendwende existierende jüdische Gemeinschaft Prags fand durch die nationalsozialistische Vernichtungspolitik ein Ende. Viele der tschechischen Juden wurden zunächst in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Prag war das Zentrum der liberalen Staatsidee des ersten Präsidenten Masaryk. Damals blühte auch die Literatur mit deutschsprachigen Autoren wie Kafka, Werfel, Brod und Kisch und tschechischen wie Čapek und Hašek. Nach der Zerstörung dieser Kultur durch die deutsche Besetzung wurde Prag ab 1948 Hauptstadt der kommunistischen Tschechoslowakei. Diese Föderation zerbrach erst vier Jahre nach der „Samtenen Revolution“ von 1989. Bereits 1968 war der „Prager Frühling“ zum Symbol antisowjetischen Widerstands geworden. 2008 jährt sich der „Prager Frühling“ zum 40. Mal, was wir zum Anlass nehmen möchten, uns mit diesem zeitgeschichtlichen Ereignis intensiver zu beschäftigen.

Brünn: Der Vorort von Wien

Das jahrhundertelange Neben- und Miteinander von Mähren und Böhmen hat auch die verschiedenen Mentalitäten in den Hauptstädten beider Landesteile geprägt. Brünn, die zweitgrößte Stadt der Tschechischen Republik, hat sich bis heute ihre Identität gegenüber dem den ‚Pragocentrismus‘ bewahrt. Unter dem kommunistischen Regime boten sich hier für Künstler und Wissenschaftler teils mehr Freiheiten als in der Hauptstadt. Deutschsprachige Brünner stellten lange die Mehrheit der Bevölkerung. Brünn war Heimat für so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gregor Mendel, Adolf Loos und Robert Musil. Das benachbarte Zlín illustriert eindrucksvoll die Verbindung von Konstruktivismus und gesellschaftlicher Kultur der Zwischenkriegszeit. Der Schuhfabrikant Tomáś Bat’a schuf dort im Geiste patriarchalischer Sozialfürsorge eine Musterstadt für seine Arbeiter. Die Vernichtung der einst größten jüdischen Gemeinde Mährens durch die Nationalsozialisten veränderte die Stadt grundlegend. Heute zählt die jüdische Gemeinde wieder 200 Mitglieder. Die Vertreibung der Deutschen fand im sogenannten „Brünner Todesmarsch“ ein Symbol deutsch-tschechischer Polemiken. Heute beschäftigen sich in Brünn Initiativen mit diesem Kapitel der Geschichte.


Voraussichtlicher Reiseablauf

1. Tag
  • Abfahrt ab Berlin (ca. 10.30 Uhr) mit dem EC nach Prag (Ankunft ca. 15.30 Uhr)
2. Tag
  • Stadtspaziergang: Literarische „Annäherung an Prag“ – Mit Franz Kafka durch seine Heimatstadt (Karlsbrücke, Kleinseite, Blick auf Hradschin, Moldau, Altstädter Ring, Wenzelsplatz u.a.)
  • Lesung eines jungen tschechischen Autors, Gespräch über neue Literatur in einer Stadt der Traditionen
3. Tag Das jüdische Prag
  • Stadtspaziergang: Altneusynagoge, alter jüdischer Friedhof, Grab des Rabbiners Jehuda Löw ben Bazael (Schöpfer des Golem), jüdische Literatur etc.
  • Halbtagesexkursion (per Bus) zur Gedenkstätte Theresienstadt
4. Tag
  • Gespräch mit einem Prager Journalisten zur aktuellen politischen und sozialen Situation in Tschechien
  • Freizeit
5. Tag
  • Fahrt per Bahn nach Brünn
  • Geführter literarischer Stadtspaziergang durch die Brünner Altstadt
6. Tag „Brünn – Hauptstadt Mährens“
  • Blüte der Moderne, Architektur in den 1920er und 1930er Jahren, Besuch der „Villa Tugenthat“
  • Besuch des neuen, europaweit einzigen Roma-Museums. Gespräch mit einem Vertreter des Museums
  • Gespräch mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde
7. Tag Tagesexkursion nach Zlín
  • Stadtspaziergang: Annäherung an die moderne Industriestadt der 1920er Jahre, Bauhausarchitektur, Musterstadt für Arbeiter u.a.)
  • Besichtigung des Museums der Schuhfabrik Bat’a
8. Tag
  • Abfahrt nach Berlin ca. 9.30 Uhr, Ankunft Berlin ca. 17.30 Uhr