Russlands Fenster nach Europa
Trotz seines relativ jungen Alters von 300 Jahren blickt St. Petersburg auf eine bewegte Geschichte zurück. Geplant von Zar Peter I., dem Großen, während des Nordischen Krieges (1700–1721) als Ort von strategischer Bedeutung, war die Stadt an der Newa der einzige eisfreie Hafen des Russischen Reiches. Zehntausende von zwangsverpflichteten Arbeitern verloren beim Bau ihr Leben. Die Stadt sollte durch ihre Nähe zu Westeuropa, so hoffte Peter I., zu Russlands „Fenster nach Europa“ werden. 1712 wurde St. Petersburg Hauptstadt des Russischen Reiches und hatte bereits mehr als 50.000 Einwohner. Italienische und französische Architekten (Rastrelli, Rossi, Le Blond, Schlüter) gaben St. Petersburg bereits früh sein heutiges Erscheinungsbild.
Revolutionäre Umstürze im 20. Jahrhundert
Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die Stadt umbenannt. Aus dem deutsch klingenden „St. Petersburg“ wurde „Petrograd“. Im Februar 1917 kam es zu einem Generalstreik, in dessen Folge Zar Nikolai II. abdankte. Der kurz zuvor aus dem Schweizer Exil zurückgekehrte Lenin setzte im Oktober des selben Jahres im ZK der Bolschewiki den Beschluss zur bewaffneten Machtübernahme durch, was zur so genannten „Oktoberrevolution“ führte. Nach Ende des 1. Weltkrieges verlegte die Sowjetregierung ihren Sitz nach Moskau. Aufgrund von Hunger, Terror und Bürgerkrieg sank die Einwohnerzahl Petrograds von 2,5 Millionen (1916) auf 722.000 (1920). Drei Tage nach Lenins Tod am 21. Januar 1924 wurde die Stadt in „Leningrad“ umbenannt.
Leningrad im 2. Weltkrieg
1939 hatte die Stadt über 3 Mio. Einwohner. Am 22. Juni 1941 begann der deutsche Überfall auf die Sowjetunion und am 8. September die deutsche Blockade Leningrads. Deutsches Kriegsziel war das Aushungern der Bevölkerung und eine völlige Zerstörung der Stadt. Erst nach 900 Tagen zwang eine sowjetische Offensive die deutschen Truppen zum Abzug. Damit war die Blockade, der mehr als eine Million Leningrader zum Opfer gefallen waren, am 27. Januar 1944 beendet.
St. Petersburg heute
Im August 1991 putschten reformfeindliche Politiker und Militärs gegen die Politik der neuen Offenheit (Glasnost) und Umgestaltung (Perestroika) Michail Gorbatschows. Boris Jelzin übernahm nach der Niederschlagung des Putsches Gorbatschows Nachfolge als Führer der Reformer. Die Auflösung der Sowjetunion folgte. Bereits am 5. September erhielt Leningrad seinen ursprünglichen Namen zurück. Die Stadt ist heute geprägt vom starken Kontrast zwischen Glanz und Schönheit auf der einen und Armut und schwieriger wirtschaftlicher Lage auf der anderen Seite.