Eine Bahnreise mit Ausstiegen
Auch seine heutige Streckenführung lässt eine Fahrt auf den Spuren des Orientexpress zu einem einzigartigen Reiseerlebnis werden. Nicht zuletzt seiner Route wegen diente der historische Luxuszug bedeutenden Schriftstellern wie Agatha Christie und Graham Greene als Romanvorlage. Bis in die Gegenwart haftet dem historischen Zug der faszinierende Mythos etwa als Luxusreisezug für wohlhabende Geschäftsleute und längster Reisezug Europas an.
1883 erstmals auf den Weg gebracht, erfreute sich der Orientexpress bis in die 1960er Jahre großer Beliebtheit, was unter anderem an seiner Erweiterung zu einem Pendlerzug für Gastarbeiter/-innen in den 1950er Jahren lag. Doch auch jenseits der Ausstattung war der Zug seiner Zeit weit voraus. Ihm lag ein aus heutiger Sicht höchst modernes wirtschaftliches Konzept zugrunde, das auf einer Trennung von Zugwaggons (Eigentum eines französischen Unternehmens) und Lokomotive bzw. Schienennetz (in nationalstaatlicher Hand) beruhte, wodurch die zuvor schon lange Fahrzeit immerhin um drei Tage verkürzt werden konnte.
Auf einer Fahrt mit der Eisenbahn unserer Tage ziehen Jahrhunderte christlich-abendländischer und orientalisch-muslimischer Kultur an uns vorbei. Beginnend in Wien geht es durch Ungarn, Serbien und Bulgarien nach Istanbul, dem alten Konstantinopel, der türkischen Weltstadt auf zwei Kontinenten.
Reise durch die Geschichte
Die Reise macht große Einschnitte, aber auch viel Verbindendes zwischen den Metropolen und Regionen erlebbar. Die kulturellen und historischen Spannungsverhältnisse zwischen den hostprischen Einflüssen z.B. der Osmanen und der k.u.k. Monarchie bleiben spürbar - beginnend in Wien, das 1529 von den Türken belagert wurde, über den Balkan bis nach Istanbul, das alte Konstantinopel, einst Mittelpunkt des byzantinischen Reiches und Herrschaftssitz der Sultane und Atatürks.
Der aktuelle Vergleich schärft den Blick für Schwierigkeiten und Wege zwischen Aufbruch und Krisen, zwischen Ethnisierung und europäischer Integration. Unsere Gesprächspartner berichten über christliches, jüdisches und muslimisches Leben, historische und literarische Zeugnisse und die politische Situation in den Ländern, in denen der Zug Station macht.