„Hier atmet man ganz Europa“
Bauten europäischer Architekten prägen das mediterran anmutende Stadtbild Odessas bis heute. Herausragende Beispiele sind u.a. die berühmte Potemkintreppe zum Hafen und das Opernhaus. Odessa ist eine junge Stadt. Ihre Ursprünge gehen zwar schon auf eine im 11. Jahrhundert zerstörte Siedlung zurück. Doch erst nachdem der Ort an der Schwarzmeerküste unter Zarin Katharina der Großen erobert worden war, entwickelte sich Odessa rasant zu einer internationalen Handelsmetropole - unter dem vor der Französischen Revolution geflohenen Gouverneur Richelieu. Auf den Straßen hörte man über 20 Sprachen. Der russische Dichter Alexander Puschkin kam 1823/24 im Zuge seiner Verbannung nach Odessa; es schien ihm, dass „man hier ganz Europa atmet“.
Das jüdische Odessa
Einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung leisteten Juden. Anfang des 20. Jahrhunderts war Odessa das bedeutendste jüdisch-literarische und zionistische Zentrum im Zarenreich. Dafür stehen u.a. die Namen Zhabotinski, Bialik und Alejchem. Während der Niederschlagung des Generalstreiks 1905, dem sich die Matrosen des Panzerkreuzers Potemkin anschlossen, sowie im Bürgerkrieg fielen Odessaer Juden Pogromen zum Opfer. Am Vorabend der deutsch-rumänischen Besatzung lebten 180.000 Juden in Odessa – 40 Prozent der Einwohner. Etwa die Hälfte konnte noch flüchten; fast alle anderen wurden von den Besatzern mit einheimischer und „volksdeutscher“ Hilfe ermordet. Heute wird die Zahl der Juden in Odessa auf etwa 40.000 geschätzt.
Odessa heute
Ein Anknüpfen an die Vergangenheit als Handelsmetropole erweist sich heute angesichts der großen wirtschaftlichen Probleme der Ukraine als schwieriges Unterfangen. Geprägt ist die Millionenstadt am Schwarzen Meer von starken Kontrasten zwischen unglaublicher Eleganz und großer Armut. Überlebt hat die besondere Odessaer Mentalität, die durch die Weltoffenheit und den Humor der Odessiten gekennzeichnet ist und in vielen Liedern und Witzen ihren Ausdruck findet.