Vom „Manchester des Ostens“ in die polnische Metropole
Das „Manchester des Ostens“
Die Stadt Lodz/Łódź ist bei uns vor allem durch den Schlager „Theo, wir fahr’n nach Lodsch“ bekannt geworden. Seit 1819 bauten deutsche, polnische und jüdische Unternehmer das kleine Dorf zum neuen Zentrum der Textilindustrie aus. Heute ist Łódź mit fast 900.000 Einwohnern die drittgrößte polnische Stadt. Weil die Stadt im 2. Weltkrieg unzerstört blieb, ist sie heute mit ihren fast vollständig erhaltenen Arbeitersiedlungen, Wohnpalästen der Industriellen und den roten Klinkerfassaden der Textilfabriken ein einmaliges Beispiel für die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts. Die Entwicklung der Stadt und ihrer „Lodzermenschen“ stellte der Nobelpreisträger Władysław Reymont in seinem Roman „Das gelobte Land“ (1899) dar. Andrzej Wajda, Absolvent der berühmten Lodzer Filmhochschule, verfilmte das Buch an Originalschauplätzen. Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges fand die nationale und religiöse Vielfalt der Stadt ein Ende, sie wurde dem Deutschen Reich angegliedert und im April 1940 in „Litzmannstadt“ umbenannt. Ein Drittel der Einwohner waren Juden; sie wurden in das Ghetto Bałuty und von dort ab Januar 1942 in das Vernichtungslager Chełmno deportiert. Heute zählt die jüdische Gemeinde nur noch wenige hundert Mitglieder.
Warschau – Polens Hauptstadt
1596 verlegte König Sigismund II. Wasa die Hauptstadt Polens von Krakau nach Warschau. Während der Teilungszeit im 19. Jahrhundert war die Stadt russisch besetzt. Erst 1918 wurde Polen unabhängig und Warschau wieder Hauptstadt. Fünf Wochen nach Beginn des 2. Weltkriegs kapitulierte die Stadt, doch blieb sie ein Zentrum des Widerstandes. Im Frühjahr 1943 fand der Warschauer Ghettoaufstand statt, insgesamt 300.000 Warschauer Juden kamen im Vernichtungslager Treblinka ums Leben. Der polnische Widerstand gegen die deutsche Besatzung formierte sich im Warschauer Aufstand im Sommer 1944. Nach der Niederlage wurden die Überlebenden in Konzentrationslager gebracht und Warschau planmäßig zerstört. Der Wiederaufbau begann gleich nach Kriegsende, bereits 1953 war die historische Altstadt rekonstruiert. Seit der politischen Wende erlebte Warschau einen wahren Bau-Boom, gläserne Bürotürme, Hotels und Einkaufszentren lassen die einst graue Stadt heute im neuen Glanz erstrahlen. Die Schattenseiten dieser Entwicklung, mit der viele Menschen nicht Schritt halten können, werden dabei häufig übersehen.