Hauptstadt Galiziens und Metropole der Westukraine
Lemberg wurde um 1250 gegründet und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Handelsplatz. Neben polnischen und ruthenischen (ukrainischen) Bewohnern prägten v. a. Deutsche, Juden und Armenier die Stadt. Die Vielfalt der Bevölkerung spiegelte sich auch im Nebeneinander verschiedener Glaubensgemeinschaften wider. Sowohl die Römisch-Katholische als auch die Unierte und die Armenische Kirche hatten hier einen Bischofssitz.
1772 fiel Lemberg an das Habsburgerreich. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, Lemberg wurde nach Wien, Budapest und Prag zur viertgrößten Stadt der k.u.k. Monarchie und zur Hauptstadt des neu geschaffenen „Königreichs Galizien und Lodomerien“. Die kulturelle Vielfalt prägte das Klima der Stadt, doch seit Mitte des 19. Jh. verschärften sich die nationalen Gegensätze, v. a. zwischen Ukrainern und Polen.
Ende der kulturellen Vielfalt
Dieser Gegensatz war auch bestimmend in der Zwischenkriegszeit, in der Lwów Bestandteil des polnischen Staates war. Die Lemberger Juden, die 30% der Einwohnerschaft stellten, waren nun verstärkt einem aggressiven Antisemitismus ausgesetzt. Mit der Eingliederung in die Sowjetukraine (1939–41) kam es durch Deportationen zu tiefen Einschnitten in das soziale Gefüge der Stadt. Während der NS-Besatzung wurde Lemberg zum Schauplatz von Pogromen der örtlichen Bevölkerung und der systematischen Ermordung der Juden durch die Deutschen. Nach Kriegsende geriet die Stadt, die – auch durch die planmäßige Aussiedlung“ der polnischen Bevölkerung – 80% ihrer Vorkriegseinwohnerschaft verloren hatte, in eine europäische Randlage.
„Heimliche Hauptstadt“
In den 1980er Jahren entwickelte sich L’viv mit seinen 830.000 Einwohnern zur „heimlichen politischen Hauptstadt“ der Ukraine, wichtige Impulse zur Erlangung der Unabhängigkeit gingen von hier aus. Seit 1990 wurden viele Innenstadtgebäude frisch renoviert, zahlreiche Cafés und Restaurants eröffnet. Trotz aller wirtschaftlichen und sozialen Probleme ist v. a. unter den jüngeren Stadtbewohnern eine Aufbruchstimmung zu spüren, die insbesondere in der „orangenen Revolution“ ihren Ausdruck fand. Der Wunsch, zu Europa zu gehören, trifft jedoch auf Abschottungsmaßnahmen des „Brüsseler“ Europas, wie z. B. die 2003 eingeführte polnische Visumspflicht für Ukrainer. Ob die diesbezüglichen kritischen Anmerkungen ukrainischer Intellektueller Gehör finden werden, ist heute noch offen.