Vom Zauber der Vielfalt
Der Reiz, den die Halbinsel im Schwarzen Meer seit Jahrhunderten auf ihre Kur- und Sommergäste ausübt, liegt zum einen im Zusammenspiel von Bergen, Steppe und mediterraner Küstenlandschaft. Zum anderen findet man durch die Vielfalt der Völker, die sich an dieser Schnittstelle zwischen Europa und Asien ansiedelten, auf der Krim die vielfältigsten Kulturdenkmäler. In der über 3.000-jährigen Geschichte hinterließen u. a. Skythen, Griechen, Goten, Chasaren, Tataren, Juden, Karäer, Armenier und Slawen architektonische Zeugnisse. Ihre Spuren findet man in Chersones, das 422 v. Chr. als griechische Kolonie gegründet wurde und einst größte byzantinische Handelsstadt am Schwarzen Meer war und in Bachtschissaraj, der ehemaligen Hauptstadt der Krimtataren mit der nahe gelegenen Höhlenstadt Chufut-Kale, in der bis zum 19. Jh. die Karäer wohnten. Auch Balaklava und Sudak mit ihren Überresten der blühenden Genueser Handelskolonien zeugen von der ethnischen Vielfalt der Halbinsel.
Umstrittenes Paradies
1783 erklärte Katharina II. die Krim nach ihrem Anschluss an das Russische Reich „von nun an und für alle Zeiten“ für russisch. Trotzdem blieb die Halbinsel bis zum 2. Weltkrieg multinational geprägt. Ganz anders waren die Pläne der Nationalsozialisten: Die Krim sollte als „Neugotland“ deutsch besiedelt und durch eine Reichsautobahn mit Berlin verbunden, ihre Bewohner umgesiedelt oder ermordet werden.
Während der deutschen Besatzung (1941-1944) wurden rund 40.000 Juden getötet, darunter 6.000 Krimtschaken. Die Krimtataren wurden von Stalin kollektiv der Kollaboration bezichtigt. Am 18. Mai 1944 deportierte man mehr als 200.000 von ihnen nach Mittelasien, die Hälfte starb noch auf dem Weg dorthin. Erst Anfang der 1990er Jahre durften sie auf die Krim zurückkehren. Heute leben dort ca. 280.000 Tataren.
1954 "schenkte" Nikita Chruschtschow die Halbinsel der Ukraine. Ein politischer Akt, der zu Sowjetzeiten v.a. administrative Bedeutung hatte, aber nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine zu Spannungen und offenen Konflikten zwischen ethnischen Russen (die 70% der Krimbevölkerung ausmachen) und Ukrainern führte. Sprachpolitik, Fragen der Staatsbürgerschaft und die Stationierung der Schwarzmeerflotte in Sevastopol sind weiterhin strittige Themen.
Sommerfrische für Zaren und Genossen
Im 19. Jh. entdeckte der russische Adel die Krim als Ort der Sommerfrische. Es folgten Maler, Schauspieler und Schriftsteller. In der Sowjetzeit wurden die mondänen Paläste zu Sanatorien umgebaut, die von bis zu 10 Millionen Gästen jährlich besucht wurden. Im berühmten Pionierlager Artek erholten sich Kinder aus der ganzen Sowjetunion. Nach einem kurzen Einbruch nach Zerfall der UdSSR 1991 ist der Tourismus heute neben dem Weinexport einer der Hauptwirtschaftsfaktoren der Krim.