Europäische Metropole mit südlichem Flair
Für viele Polen schlägt bis heute das Herz des Landes in Krakau. Auch nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Warschau wurden die polnischen Könige weiterhin auf dem Krakauer Schlossberg Wawel gekrönt und beigesetzt. Hier steht seit dem 14. Jahrhundert eine der ältesten Universitäten Mitteleuropas, an der unter anderem Nikolaus Kopernikus und Karol Wojtyła studierten. Krakau war und blieb die Stadt der alten polnischen Intelligenz. Dagegen konnte selbst der Bau der sozialistischen Mustersiedlung Nowa Huta nichts ausrichten. Im Gegenteil: Im „Sommer der Solidarität“ (1980) verbündeten sich hier die Arbeiter mit den Intellektuellen.
Wer vom berühmten Marktplatz aus in die Marienkirche einkehrt, findet dort den einzigartigen Schnitzaltar des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß – ein Beispiel für die engen deutsch-polnischen Beziehungen, die die Geschicke der Stadt in den vergangenen Jahrhunderten bestimmt haben. Krakau war auch ein Zentrum des nationalsozialistischen Terrors, der sich zunächst gezielt gegen die Eliten des Landes und dann gegen die Juden richtete.
Juden in Krakau
Vor 1939 lebten fast 70.000 Juden in Krakau, hauptsächlich im Stadtteil Kazimierz. Sie wurden zunächst ins Ghetto Podgórze gebracht und schließlich in Vernichtungslagern wie im nahe gelegenen Auschwitz-Birkenau ermordet. Heute hat die Krakauer jüdische Gemeinde etwa 150 Mitglieder. Heute kann man hier ein zaghaftes Anknüpfen an die frühere Tradition finden, aber darüber hinaus auch ein lebendiges Viertel, dem Künstler und Studenten ein ganz eigenes Flair geben.
Krakau heute
Die Stadt selbst wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört und gehört noch neben Wien und Prag zu den schönsten mitteleuropäischen Städten. Krakau ist heute eine dynamischen Metropole. Aber außerhalb der schönen Altstadt ist spürbar, dass der polnische Alltag nicht immer leicht ist.