Metropole auf zwei Kontinenten
Byzantion und Konstantinopel und Hauptstadt des Osmanischen Reiches
Istanbul wurde um 660 v. Chr. von dorischen Griechen unter dem Namen Byzantion gegründet. Der römische Kaiser Konstantin I. machte sie 330 als Konstantinopel zur Hauptstadt des Römischen Reiches. Nach der Reichsteilung 395 wurde sie Hauptstadt des Byzantinischen Reiches (Ostrom). Aus dieser Zeit stammt u.a. die um 537 als Patriarchatskirche errichtete Hagia Sophia. Der Höhepunkt byzantinischer Macht war nach der Spaltung der römisch-katholischen und griechisch-orthodoxen Kirche 1054 überschritten.
1453 fiel die Stadt an die Osmanen, die sie zu ihrer Hauptstadt machten. Sultan Mehmed II. siedelte Menschen aus den von ihm unterworfenen Gebieten an. Auch vor der Inquisition geflohene spanische Juden fanden hier Aufnahme. Kirchen wie die Hagia Sophia wurden zu Moscheen umfunktioniert und der Topkapi Sarayi errichtet. Unter den osmanischen Sultanen erlebte die Stadt eine neue Blütezeit und in der Mitte des 16. Jahrhunderts ihre größte Ausdehnung.
Ab dem späten 18. Jahrhundert verlor das Osmanische Reich jedoch erst die Krim und dann weite Teile des Balkans. Ein großer Teil der dort ansässigen Türken, Tataren und islamisierten Slawen floh aus diesen nun christlich beherrschten Gebieten nach Anatolien, ebenso wie kaukasische Völkergruppen vor der russischen Expansion.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Großreich aufgeteilt. In dem nun folgenden Befreiungskrieg unter der Führung Mustafa Kemal Paşas (später Atatürk, „Vater aller Türken“) kämpften die Türken um ihre Unabhängigkeit. 1,3 Millionen Griechen, griechischsprachige und christliche Türken wurden ausgewiesen.
Nach der Ausrufung der Republik 1923 war die Bevölkerungsmehrheit türkisch. Zur Abgrenzung von der osmanischen Tradition wurde Ankara neue Hauptstadt der türkischen Republik. Der Staat wurde nach europäischem Muster modernisiert, die Trennung von Staat und Religion in der Verfassung verankert. Der Zweite Weltkrieg und die Sowjetisierung Südosteuropas führten zu weiteren Einwanderungswellen muslimischer Gruppen.