Ćernivci – Czernowitz

Mit Aufenthalten in Krakau, Zablotow und einer Exkursion durch die Bergwelt der nördlichen Bukowina und Filmvorführung „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“

„Klein-Wien des Ostens“

Czernowitz und die Bukowina, die ein Vierteljahrtausend zum Osmanischen Reich gehört hatten, fielen 1775 in Folge des russisch-türkischen Krieges an Österreich-Ungarn. Zwölf Jahre später wurde die Region an das „Königreich Galizien und Lodomerien“ innerhalb der Doppelmonarchie angeschlossen. Unter der k.u.k.-Herrschaft wurde Czernowitz schnell zum regionalen Zentrum ausgebaut. Die zu jener Zeit errichteten Gebäude prägen bis heute das Stadtbild. Einen weiteren Entfaltungsschub bekam Czernowitz, als die Bukowina 1849 innerhalb der Habsburger Monarchie autonomes Kronland wurde. In das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts fallen die Gründung der Universität (1875) und die Anfänge Czernowitz´ als Literaturstadt. Karl Emil Franzos war der erste mit dem „Klein-Wien des Ostens“ verbundene Schriftsteller von überregionaler Bedeutung. Ihm folgten Rose Ausländer, Paul Celan, Selma Meerbaum-Eisinger, Gregor von Rezzori, Elieser Steinbarg, Itzig Manger, Ol´ha Kobyljanska und viele andere, denen die Stadt bis heute ihre Bekanntheit verdankt.

Das jüdische Czernowitz

Anfang des 20. Jh. waren mehr als 30% der Einwohner Czernowitz’ Juden. Die meisten von ihnen fühlten sich der deutsch-österreichischen Kultur zugehörig. Im Kontrast dazu standen die chassidischen Anhänger der Friedman-Zaddikim im Vorort Sadagora. Rumänisierungspolitik und aufkommender Faschismus in Deutschland und Rumänien führten ab 1918 langsam zu ersten Brüchen in der multiethnischen Gesellschaft. 1940 erfolgte eine einschneidende Zäsur: Unter der einjährigen sowjetischen Herrschaft kam es zu Verhaftungen und Deportationen, die deutsche Bevölkerung wurde von Hitler „heim ins Reich“ geholt. Ab Sommer 1941 ermordeten rumänische Truppen und deutsche Sondereinheiten einen Großteil der Bukowiner Juden in den Lagern Transnistriens. Auch das sowjet-ukrainische Ćernivci blieb eine Vielvölkerstadt, die frühere ‘Buntheit’ verschwand jedoch durch eine nivellierende staatliche Kulturpolitik fast gänzlich.

Czernowitz heute

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine (1991) weht – bei allen wirtschaftlichen und sozialen Problemen – ein frischer Wind durch Czernowitz: Überall wird gebaut, die Fassaden vieler Gebäude erstrahlen in neu renoviertem Glanz, neue Geschäfte und Restaurants beleben das Stadtbild.

Charterflüge nach Neapel und Mailand verweisen jedoch auch auf die neuen Ziele der ukrainischen Arbeitsmigranten, deren in die alte Heimat geschicktes Geld entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung beiträgt.

2008 feiert die Stadt, die 1408 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ihr 600jähriges Jubiläum.


Voraussichtlicher Reiseablauf

1. Tag
  • Abfahrt mit dem IC ab Berlin-Hauptbahnhof (ca. 17.30 Uhr) nach Stettin/Szczecin. Weiterfahrt mit dem Nachtzug nach Przemyśl
2. Tag
  • Ankunft in ca. 11.30 Uhr. (Zustieg für Indivdiualanreisende um 7.30 Uhr in Krakau möglich). Weiterfahrt mit dem Reisebus (ca. 12.00 Uhr), unterwegs kurzer Zwischenstopp in Zabolotiv/Zablotow, Geburtsort Manès´ Sperbers. Ankunft in Czernowitz ca. 22.00 Uhr
3. Tag
  • Stadtrundgang Volksgarten, Ringplatz, Herrengasse, Theaterplatz u.a.
  • Besichtigung der ehemaligen Metropolitenresidenz (heute Universität)
  • Vortrag eines Literaturwissenschaftlers: „Czernowitz als Literaturstadt“ (Ausländer, Celan, Meerbaum-Eisinger u.a.)
4. Tag Das „jüdische“ Czernowitz:
  • Stadtspaziergang zu Orten jüd. Vergangenheit und Gegenwart mit Abstechern ins literarische Czernowitz (ehemal. Großer Tempel, Jüd. Haus, Gelände des ehemal. Ghettos, Wohnhäuser von Celan und Ausländer u.a.)
  • Fahrt in den Vorort Sadagóra und auf den Jüdischen Friedhof, Besuch in der Synagoge
  • Film „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (Volker Koepp, 1999)
5. Tag
  • Tagesausflug in die ehemalige deutsche Vorstadt Rosch, (dort Besuch in einer Schule mit erweitertem Deutschunterricht) und in die Karpaten, u.a. nach Storozhynec, nach Wishnitz (Geburtsort des jiddischen Dichters Josef Burg) und zu ehemaligen deutschen Siedlungen.
  • Unterwegs: Überblick über Geschichte und Literatur der Ukrainer und Deutschen in der Bukowina
6. Tag
  • Besuch der Stiftung „Neue Familie“ (erstes Drogenhilfeprojekt der Westukraine)
  • Gespräch mit dem Journalisten einer lokalen Zeitung über Probleme und Chancen der ukrainischen Provinz
  • Anschließend Zeit zur freien Verfügung
7. Tag
  • Busfahrt nach Przemyśl. Weiterfahrt per Bahn nach Krakau (Aufenthalt ca. 2 Stunden)
  • Weiterfahrt mit dem Nachtzug nach Berlin
8. Tag
  • Ankunft in Berlin (ca. 8.00 Uhr)

Kosten und Leistungen

  • Reisepreis: nach Angebot (ab/bis Berlin)
  • bei eigener An-/Abreise bis/ab Krakau: nach Angebot

Auch bei eigener An-/Abreise beraten wir Sie gerne oder sind Ihnen bei der Flugbuchung behilflich.

Im Preis enthalten sind:

  • Bahnreise Berlin–Szczecin im EC, 2. Kl. und Szczecin– Przemyśl im Liegewagen (6-Bett-Abteile)
  • Busreise Przemyśl–Czernowitz–Przemyśl
  • Bahnreise Przemyśl–Krakau, 1. Kl. und Krakau-Berlin im Liegewagen (6-Bett-Abteile)
  • 5 Übernachtungen im DZ (Bad/WC, Mittelklassehotel)
  • 5 Tage Halbpension (Essen in ausgesuchten Restaurants)
  • Komplette Programmkosten, Eintrittsgelder, deutsche Reiseleitung und ukrainische Reisebetreuung
  • Vorbereitungsmaterialien und Sicherungsschein

Zusätzliche Kosten (fakultativ):

  • Einzelzimmerzuschlag: nach Angebot
  • Schlafwagen Szczecin–Przemyśl und Krakau–Berlin im 3-Bett-Abteil: nach Angebot
  • Schlafwagen Szczecin–Przemyśl und Krakau–Berlin im 2-Bett-Abteil: nach Angebot