Kurzer geschichtlicher Abriss
Vilnius/Wilna (Litauen)
Vilnius gehörte im Laufe der Geschichte unterschiedlichen Staaten an. Polen-Litauen, der zu seiner Zeit größte Flächenstaat Europas, entstand 1386 nach der Heirat des litauischen Großfürsten Jogaila mit der polnischen Thronfolgerin Jadwiga. Erst danach nahmen die heidnischen Litauer den katholischen Glauben an. Eine litauische Nationalsprache und -kultur entwickelte sich erst wieder ab dem 19. Jh. Die polnische kulturelle Hegemonie in der Stadt wurde auch während der russischen (1795–1918) Herrschaft nicht in Frage gestellt. In der Vielvölkerstadt Wilna lebten neben Polen aber auch immer Litauer, Weißrussen, Juden u.a. Ab dem 14. Jh. gewährte Großfürst Vytautas anderswo verfolgten Juden weitreichende Privilegien und Asyl.
Nida/Nidden und Kurische Nehrung (Litauen)
Auf der Kurischen Nehrung, dem 96 km langen, schmalen Landstreifen zwischen Ostsee und Kurischem Haff, entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Nidden eine Künstlerkolonie, in der u.a. die Maler Lovis Corinth und Ernst Ludwig Kirchner lebten. Thomas Mann ließ sich 1929 dort ein Sommerhaus bauen.Heute ist die Nehrung, die 1991 zum Nationalpark erklärt wurde, zwischen Litauen u. dem Kaliningrader Gebiet aufgeteilt
Riga (Lettland)
1201 wurde Riga als Hauptstützpunkt der Deutschen Ordensritter gegründet und trat 1282 der Hanse bei. Im Zuge des Livländischen Krieges (1558-83) fielen große Teile des heutigen Lettlands an Polen-Litauen. Im 17. Jh. eroberten die Schweden Livland, mit dem Nordischen Krieg (1700-1721) fiel es an das Russische Reich. Erst Mitte des 19. Jh. emanzipierte sich die lettische Bevölkerung von der kulturellen deutschsprachigen und politischen russischen Vorherrschaft, lettische Sprache und Kultur erleben eine erste Blüte. Ein politisch unabhängiger Staat war Lettland zwischen 1918 und 1940.
Tallinn (Estland)
Das heutige Estland ist ein Teil des historischen Livlands. Die von Bischof Albert zur Unterstützung seiner Missionierungsbemühungen zur Hilfe gerufenen Dänen errichteten 1219 die Festung Rävala (Reval), das heutige Tallinn. Im 14. Jh. wurde Reval Hansestadt. Wie auch in Riga dominierten die Deutschen lange die Politik. Deutsch war Amtssprache, Estnisch sprachen nur die Bauern. 1721 fiel Reval ans Russische Reich, die Stadt blieb jedoch kulturell deutsch geprägt. Erst mit der Bauernbefreiung 1861 entwickelte sich ein estnisches Bürgertum. Ende des 19. Jh. begann mit der Bewegung der "Jungesten" die Zeit des „nationalen Erwachens“, 1918 wurde Estland ein unabhängiger Staat.
Das Baltikum nach 1939
Nach dem Ribbentrop-Molotov-Pakt wurden die Deutschbalten Ende 1939 „heim ins Reich“ geholt. Viele Polen wurden aus Litauen „ausgesiedelt“. Nach der sowjet. Besatzung 1940 wurden tausende Litauer, Letten und Esten nach Sibirien deportiert oder flohen. 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht ins Baltikum ein. Fast alle Wilnaer Juden wurden - unter litauischer Mithilfe - im Ghetto und im Wald von Paneriai ermordet. In Riga errichteten die deutschen Besatzer 1941 ein Ghetto, das nach der Ermordung der jüdischen Bevölkerung zur Durchgangsstation Zehntausender Juden aus Deutschland wurde. Die estnischen Juden wurden im KZ Klooga ermordet. Als im Oktober 1944 die Rote Armee ins Baltikum zurück kam, wurden erneut Zehntausende deportiert oder flohen. Das Baltikum wurde sowjetisch, Litauer, Letten und Esten wurden zur Minderheit im eigenen Land. Zum 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes, am 23.8.1989, bildeten 1,7 Mio. Balten eine Menschenkette durch alle drei baltischen Länder. Die bislang friedliche Revolution im Baltikum geriet im Januar 1991 in Gefahr, als eine Einheit des sowjetisch Innenministeriums das Pressehaus in Riga besetzte und dabei 4 Menschen starben. Auch in Vilnius starben beim Sturm sowjetischer Truppen auf das Rundfunkgebäude 14 Menschen. 1991 wurden die baltischen Staaten wieder unabhängig. Seit Mai 2004 sind sie Mitglieder in der EU.
-> Beschreibung Baltikum-Rundreise